Gesunde Lebensmittel durch Agrarökologie in El Salvador

HORIZONT3000

Laufend

Gesunde Lebensmittel durch Agrarökologie in El Salvador

Gesamtvolumen: € 28.0000

Hintergrund des Projekts

In ländlichen Gebieten El Salvadors lebt ein Großteil der Bevölkerung in Armut und die Nahrungsmittelunsicherheit ist alarmierend hoch. Naturressourcen im Land wurden durch umweltschädigende Anbaumethoden, wie die Verwendung von chemischen Düngemitteln und transgenetischem Saatgut, geschwächt. In den letzten Jahren hat sich zudem der Klimawandel auf die Nahrungsmittelproduktion ausgewirkt und verursacht schwankende Niederschlagsperioden, die sowohl zu Dürre als auch zu übermäßigen Regenfällen und Überschwemmungen führen.

Gleichzeitig ist der Konsum ungesunder Lebensmittel weit verbreitet. Die meisten Menschen – unabhängig von ihrem wirtschaftlichen Status – kaufen in Supermärkten und nicht direkt bei den landwirtschaftlichen Produzentinnen ein. In den Medien werden verarbeitete Lebensmittel mit wenig Nährstoffen und viel Kalorien beworben. Das Konsumverhalten wirkt sich auf die Gesundheit der Bevölkerung aus und schwächt Absatzmöglichkeiten für die Produkte lokaler Kleinproduzent:innen. Es gibt keinen solidarischen Markt, der agrarökologische Produktion im Lande nachhaltig fördert.

Vor diesem Hintergrund wurde das Agrarökologie-Netzwerk von El Salvador (Red Agroecológica de El Salvador – RAES) gegründet, in dem sich Produzent:innen zu einer Landwirtschaft, die Mensch und Umwelt respektiert, bekennen. Das Netzwerk verbindet lokale Produzent:innen und Vereinigungen und fördert die agrarökologische Produktion und deren Vermarktung, einen gesunden Lebensmittelkonsum und Ernährungssicherheit, sowie die Selbständigkeit und das Unternehmertum von jungen Menschen und Frauen.

 

Warum ist dieses Projekt wichtig

Ein nachhaltiger Umgang mit den natürlichen Ressourcen und eine gesunde Ernährungsweise der Bevölkerung sind essenziell, um Ernährungssicherheit zu fördern, Mangelernährung zu reduzieren und ein gutes Leben im ländlichen Raum zu ermöglichen. Doch ist es ein langfristiger und herausfordernder Prozess, Produktions- und Konsumverhalten zu ändern und ein Bewusstsein für die Wichtigkeit biologischer Vielfalt zu schaffen. Das vorliegende Projekt möchte verschiedene Methoden und innovative Ansätze zur Förderung der agrarökologischen Produktion und Vermarktung testen, um die Agrarökologie nachhaltig sowohl bei Produzent:innen wie Konsument:innen zu verankern. Erfolge des Projekts werden somit nicht nur den hier fokussierten Gebieten zu Gute kommen, sondern können auch in anderen Gebieten repliziert werden, um Familien im Einflussgebiet des Netzwerks bei der Verbesserung ihrer gesundheitlichen, wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Bedingungen zu unterstützen.

Für das vorliegende Projekt wurden zwei Gemeinden ausgewählt, in denen es darüber hinaus dringend notwendig ist, bessere Lebensbedingungen und -perspektiven für Frauen und Jugendliche zu schaffen. In den Gemeinden Apaneca im Biosphärenreservat Apaneca-Ilamatepec und El Paraíso in der Pufferzone des Naturschutzgebiets Santa Barbara – Amayo liegt der Anteil der in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerung bei über 40%, der Anteil der Jugendlichen, die aus ökonomischen Gründen nicht zur Schule gehen bei über 50%. Frauen werden tendenziell von einkommensgenerierenden Maßnahmen in der Landwirtschaft ausgeschlossen und aufgrund fehlender Ausbildungsmöglichkeiten in finanzielle Not und Abhängigkeit getrieben.

 

Was ist das Ziel

Dieses Projekt stärkt die bestehenden lokalen Strukturen des Agrarökologie-Netzwerks RAES und fördert die Produktion, die Vermarktung und den Konsum von agrarökologischen Lebensmitteln in den Gemeinden Apaneca und El Paraíso in El Salvador. Damit wird ein Beitrag zur Einkommensschaffung für Produzent:innen sowie zur Gesundheitsförderung der Bevölkerung durch ökologische Lebensmittel geleistet. Ein Fokus liegt dabei auf der Einbindung der Jugend und Frauen. Ihre Teilhabe an agrarökologischen Schulungsprozessen und die Förderung des Unternehmertums gibt ihnen Möglichkeiten, eigene Projekte zu verfolgen und ihre Lebensbedingungen zu verbessern.

 

Mit wem arbeiten wir vor Ort

Die Fundación para el Desarrollo Socioeconómico y Restauración Ambiental (FUNDESYRAM) ist ein langjähriger Projektpartner von HORIZONT3000, mit dem wir seit 2001 zusammenarbeiten. Im Fokus der Arbeit von FUNDESYRAM steht die Verbesserung der sozio-ökonomischen Situation in El Salvador mit den Schwerpunkten Ernährungssicherheit, nachhaltige und biologische Landwirtschaft, Klimaschutz, Unterstützung von Klein- und Kleinstunternehmner:innen, Gendergerechtigkeit, Reduktion sozialer Ungleichheiten und Diskriminierung sowie Gewaltprävention. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet FUNDESYRAM an der Förderung agrarökologischer Ansätze und hat sich in der Region zu einer Expert:innen-Organisation auf diesem Gebiet etabliert. Besonders das Ausbildungskonzept für agrarökologische Promotor:innen hat sich bewährt und wurde, unter anderem mittels der Kooperation mit HORIZONT3000, bereits anderen Partnerorganisationen in der Region näher gebracht.

In diesem Projekt arbeitet FUNDESYRAM direkt mit 160 ländlichen Familien aus den Gemeinden Apaneca und El Paraíso zusammen (80 pro Gemeinde). Die Ausbildung zu agrarökologischen Promotor:innen werden 40 Vertreter:innen dieser Familien absolvieren, die ihrerseits 120 weitere Familienvertreter:innen ausbilden. 50% der in den Aktivitäten eingebundenen Personen werden Frauen sein, 50% junge Menschen. Indirekt werden 640 Familienmitglieder erreicht (bei einer durchschnittlichen Familiengröße von 4 Personen), sowie 500 Konsument:innen die durch Sensibilisierungsmaßnahmen erreicht werden.

Das Projekt beinhaltet eine enge Zusammenarbeit mit dem Komitee des Biosphärenreservats Apaneca Ilamatepec und dem Agrarökologie-Netzwerk El Salvador (RAES). Das RAES wurde in einem EU/OEZA-finanzierten Projekt von HORIZONT3000 und FUNDESYRAM (2017-2019) etabliert und hat sich seither konsolidiert. Es wird weiterhin von FUNDESYRAM beraten, durch Fortbildungen und Kommunikationsmaßnahmen unterstützt und spielt eine zentrale Rolle im vorliegenden Projekt.

 

Aktivitäten, um das Projektziel zu erreichen

Es sind drei Aktivitäten-Stränge geplant: (1) Ausbildung von agrarökologischen Promotor:innen in den Bereichen Produktion und Kommerzialisierung, (2) Sensibilisierung der lokalen Bevölkerung für den Konsum gesünderer, agrarökologisch angebauter, regionaler Lebensmittel, (3) Ausbau der lokalen Absatzmärkte durch Wochenmärkte und permanente Verkaufsstellen sowie durch eine Internet-Bestellplattform inklusive Zustellservice. Zur Umsetzung werden die lokalen Strukturen des Agrarökologie-Netzwerks (regionale Untergruppen, Vermarktungskommissionen, etc.) genutzt, die durch die Projektaktivitäten wiederum gestärkt und konsolidiert werden.

Konkret werden 40 agrarökologische Promotor:innen eine praxisnahe Ausbildung von jeweils 10 Tagen absolvieren und das Gelernte an jeweils 3 Personen weitergeben, somit werden insgesamt 160 Personen erreicht. Die Promotor:innen werden in der Produktion von ökologischem Saatgut und Betriebsmitteln spezialisiert und bei der Produktionsplanung und Vermarktungsstrategie unterstützt. Sie werden regelmäßig besucht und vor Ort im Feld beraten, um eine gute Umsetzung und Weitergabe des erworbenen Wissens zu ermöglichen.

Im Bereich der Sensibilisierung wird es 8 Koch-Workshops geben, mit Fokus auf Jugendliche und junge Menschen, in denen mit gesunden, biologischen Lebensmitteln aus Betrieben des RAES traditionelle Gerichte zubereitet und insgesamt 160 Personen zur Verkostung angeboten werden. Um Jugendlichen die Bedeutung des Umweltschutzes und der Agrarökologie zu vermitteln, werden zudem Marathons organisiert, die über „agrarökologische Routen“ laufen, sowie kreative Räume, wie Mal- und Musikworkshops, zur Auseinandersetzung mit dem Thema geschaffen. Ergänzt werden die Aktivitäten mit der Durchführung von virtuellen Werbeaktionen sowie der Bewerbung von agrarökologischen Produkten und gesundem Konsum auf Messen und Märkten.

Zum Absatz der Produkte werden möglichst kurze Vermarktungsketten etabliert und lokales Unternehmertum gefördert. So wird in jeder Gemeinde einmal im Monat ein Markt für agrarökologische Produkte organisiert, bei dem Produzent:innen ihre Produkte anbieten können. Auch werden pro Gemeinde 2 permanente Verkaufsstellen etabliert. Innovatives Element dieses Projektes ist die Entwicklung und Einrichtung einer Plattform für den Online-Verkauf von agrarökologischen Produkten. Hierzu werden junge Menschen dazu motiviert und dabei unterstützt, Kleinstunternehmen zur Auslieferung der Produkte zu gründen.

 

Wie messen wir Fortschritt und Erfolg

Im Laufe der Projektumsetzung messen FUNDESYRAM und HORIZONT3000 periodisch und systematisch den Projektfortschritt. FUNDESYRAM ist für die Projektumsetzung vor Ort verantwortlich und hat somit auch die Aufgabe des laufenden Monitorings. Die lokale Programm-Referentin von HORIZONT3000 ist in regelmäßiger Abstimmung mit FUNDESYRAM und begleitet und berät Projektumsetzung und -monitoring. Am Ende der Laufzeit von 12 Monaten wird eine interne Reflexion zur Evaluierung des Projekts mit dem ADES Team und HORIZONT3000 erfolgen.

Den Erfolg dieses Projektes messen wir an der Anzahl der ausgebildeten agrarökologischen Promotor:innen (Ziel 40), die ihr Wissen in die Gemeinde weitertragen (120 weitere Produzent:innen). Daneben auch an den Produktionszahlen und der Diversifizierung agrarökologischer Produkte die über das RAES angeboten werden, sowie an der Anzahl der regelmäßigen Kund:innen auf Märkten, an Verkaufsstellen und über die Online-Verkaufsplattform.

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Ziele des Projekts
Dieses Projekt stärkt die bestehenden lokalen Strukturen des Agrarökologie-Netzwerks RAES und fördert die Produktion, die Vermarktung und den Konsum von agrarökologischen Lebensmitteln in den Gemeinden Apaneca und El Paraíso in El Salvador. Damit wird ein Beitrag zur Einkommensschaffung für Produzent:innen sowie zur Gesundheitsförderung der Bevölkerung durch ökologische Lebensmittel geleistet.

 

Durchführungsorganisation
HORIZONT3000, Wilhelminenstraße 91/IIf, 1160 Wien