Agrarökologie für Jugendliche in El Salvador

HORIZONT3000_Diego Santos und Elvis Antonio Martínez Nataren_El Salvador

Laufend

Agrarökologie für Jugendliche in El Salvador

Gesamtvolumen: € 28.0000

Hintergrund des Projekts

Die Auswirkungen der Covid-19 Pandemie haben auch vor den Jugendlichen der kleinen ländlichen Gemeinde Celina Ramos, ca. 50 km nördlich der Hauptstadt San Salvador, keinen Halt gemacht. Strenge Lockdowns brachten das soziale und wirtschaftliche Leben zum Stillstand und der Fokus richtete sich stärker auf das familiäre Zusammenleben und die Bedeutung lokaler Lebensmittelproduktion. Die 47 Familien (183 Personen) in der nach dem Friedensabkommen 1992 neu besiedelten Gemeinde sind überwiegend Kleinbauern und -bäuerinnen. Sonstige Beschäftigungsmöglichkeiten sind kaum vorhanden, auch der Zugang zu Bildung ist begrenzt. In Celina Ramos wird die Schule bis zur sechsten Klasse geführt, dann müssen die Kinder und Jugendlichen in benachbarte Gemeinden fahren. Nach Abschluss der Schule arbeiten die meisten von ihnen in der Landwirtschaft und bauen Getreide für den Lebensunterhalt an. Problembereiche, die das tägliche Leben der Gemeinschaft beeinflussen, sind vielfältig und reichen von sozialen und ökologischen bis hin zu wirtschaftlichen und sicherheitsbedingten Herausforderungen. Die Pandemie und damit verbundene Versorgungsschwierigkeiten haben zudem die Notwendigkeit einer autonomen und umweltfreundlichen Ernährungsproduktion aufgezeigt, um die Gemeinde nachhaltig und gesund zu versorgen.

Vor diesem Hintergrund möchte vorliegendes Projekt agrarökologische Ansätze in der Jugend von Celina Ramos stärken und auf diese Weise sowohl eine nachhaltige Ernährungssicherheit stärken als auch Perspektiven für die ländliche Jugend schaffen, und somit zu einem besseren Leben in der Gemeinde beitragen. Die Projektidee entstand auf Initiative der Jugendlichen selbst, die auf die lokale Organisation ADES mit dem Interesse, die familiäre Gemüseproduktion zu stärken und auszuweiten, herangetreten sind.

 

Warum ist dieses Projekt wichtig

Die Klimakrise hält uns vor Augen, wie die auf der Industrialisierung und Ausbeutung der Ressourcen beruhende Entwicklung der Landwirtschaft das Verhältnis zwischen Mensch und Natur gestört und schwerwiegende Auswirkungen auf der Erde verursacht hat. Auch in El Salvador nehmen Naturkatastrophen in den letzten Jahren dramatisch zu. Erdbeben, Vulkanausbrüche, Wirbelstürme und Überschwemmungen führen zu Ernteverlusten, Dürreperioden und verursachen Ernährungskrisen. In Anbetracht dieser Realität ist es dringend notwendig, ganzheitliche Ansätze zur Lebensmittelproduktion zu fördern, die dem Menschen und der Umwelt zugutekommen. Ein solcher Weg ist die Agrarökologie. Dabei geht es nicht nur um biologische und nachhaltige Landwirtschaft, sondern um die Resilienz und Nachhaltigkeit von Ernährungs- und Landwirtschaftssystemen, die einen Schritt weiter geht und einen gerechten und würdevollen Umgang mit Mensch, Tier und Natur beinhaltet.[1] In der Projektgemeinde Celina Ramos bestehen erste agrarökologische Produktionsinitiativen. Das vorliegende Projekt möchte auf diesen aufbauen und durch nachhaltige und umweltverträgliche Praktiken das Bewusstsein für den Umgang mit natürlichen Ressourcen stärken und den Zugang zu gesunden Lebensmitteln verbessern.

El Salvador ist ein relativ „junges“ Land, rund die Hälfte der Bevölkerung ist unter 25 Jahre alt und die Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren machen fast ¼ der Gesamtbevölkerung aus. Die schwierige wirtschaftliche Situation, kaum Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten für junge Menschen, fehlende Orientierungs-, Kultur- und Freizeitangebote, sowie ein unvorstellbar hohes Ausmaß an Gewalt und Stigmatisierung der Jugend aufgrund der jugendlichen Verbrecherbanden („maras“) erschweren die Lebensbedingungen der jungen Menschen erheblich. Daher ist es essentiell, jungen Menschen Zukunftsperspektiven zu geben und sie zu stärken, damit sie ihr Leben selbstbestimmt gestalten und eine verantwortungsbewusste Rolle in der Gesellschaft einnehmen können. Dieses Projekt verbindet die persönliche und gemeinschaftliche Entwicklung der Jugendlichen in Celina Ramos mit Umwelt- und Klimaschutz.

 

Was ist das Ziel

Dieses Projekt wird jungen Menschen zugutekommen, indem es ihre Kenntnisse in agrarökologischen Praktiken in der Landwirtschaft stärkt und Allianzen mit anderen Jugendnetzwerken schafft. Damit leistet das Projekt einen Beitrag für die gesamte Bevölkerung der Gemeinde Celina Ramos zur Bewältigung komplexer Situationen wie Nahrungsmittelknappheit und Auswirkungen der Covid-19 Pandemie, trägt zu Ernährungssicherheit, Gesundheit und Resilienz bei und ermöglicht den Jugendlichen zusammenzuarbeiten und zu Akteuren des Wandels in einer Gesellschaft zu werden, die sich nach einem besseren Leben sehnt.

 

Mit wem arbeiten wir vor Ort

Unsere Partnerorganisation ADES (Asociación de Desarrollo Económico Social Santa Marta)[2] arbeitet seit 1993 mit den Menschen in den Departements Cabañas und Cuscatlán an einer Kultur der Solidarität, Gleichberechtigung und bürgerlichen Teilhabe. ADES fördert mit ihren Programmen die kommunale Entwicklung zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung, insbesondere in den ländlichen Gemeinden, wobei die Schwerpunkte auf der Verteidigung der Menschenrechte, der Gleichstellung der Geschlechter, der Jugend sowie der Wasser- und Ernährungssouveränität liegen. Über verschiedene Interventionen für Jugendliche werden diese in den Bereichen Persönlichkeitsbildung, gemeinschaftliche Organisation sowie politische Partizipation gestärkt. Seit 2009 arbeitet ADES mit dem agrarökologischen Ansatz und baut diesen nach und nach aus. Mit ADES verbindet uns eine langjährige Kooperation. Seit 2001 unterstützt HORIZONT3000 die Organisation in der Umsetzung von Projekten. Derzeit führen wir mit ADES ein Projekt zur Förderung der Jugendbeteiligung durch.

In diesem Projekt arbeitet ADES mit 25 Jugendlichen (7 jungen Frauen und 18 jungen Männern zwischen 14 und 34 Jahre alt) der Gemeinde Celina Ramos zusammen. Begünstigt werden die Jugendlichen samt ihrer 25 Familien, die insgesamt 115 Personen ausmachen. Die Jugendlichen nahmen 2020 an Aktivitäten der Persönlichkeitsentwicklung innerhalb des von HORIZONT3000 unterstütztem Projekt teil und verfügen über Grundkenntnisse in Agrarökologie. Angesichts der Covid-19 Krise baten sie ADES um Unterstützung bei der Beschaffung von landwirtschaftlichen Betriebsmitteln und Material, um eigene Hausgärten anzulegen. Die ausgebildeten Jugendlichen werden in Folge als Multiplikator:innen für Agrarökologie in ihrer eigenen sowie benachbarten Gemeinde agieren und auf diese Weise ihr Wissen auch an weitere Jugendliche und Familien der Gemeinde weitergeben.

Dieses Projekt beinhaltet eine enge Zusammenarbeit mit dem Jugendkollektiv INVER Santa Marta (Colectivo de Innovación Vegetal Rural Santa Marta)[3], welches seit seiner Gründung 2003 von ADES begleitet wird und über eine breite Expertise im Bereich des agrarökologischen Anbaus und der Ausbildung in diesem Ansatz verfügt. Das Kollektiv besteht aus 12 Personen (3 junge Frauen und 10 junge Männer). Ihre Erfahrungen werden den Jugendlichen von Celina Ramos zu Gute kommen.

 

Aktivitäten um das Projektziel zu erreichen

Es sind zwei Aktivitäten-Stränge geplant, zum einen praktische Wissensvermittlung und Austausch mit anderen Jugendlichen auf dem Gebiet der Agrarökologie, zum anderen die Errichtung eines Gewächshauses in der Projektgemeinde um Setzlinge für die Hausgärten zu züchten.

25 Jugendliche aus der Gemeinde Celina Ramos werden ein 6-tägiges Praktikum bei INVER Santa Marta absolvieren und dort im Feld ihr Fachwissen zu unterschiedlichen agroökologischen Anbaumethoden ausbauen. Zu den behandelten Themen werden zählen: Gestaltung von Parzellen, Installation und Betrieb von Bewässerungssystemen, Bau und Betrieb von Gewächshäusern und Saatbeeten, Fest- und Flüssigdünger. Das Praktikum wird mit der Vernetzung der Gruppe mit Jugendlichen in Santa Marta verbunden um die Lernerfahrung zu vertiefen, erfolgreiche agrarökologische Initiativen kennen zu lernen und Allianzen zwischen jungen Menschen zu schaffen. Fachlichen Input bekommen die Jugendlichen durch den Ingenieur Ingenieur Allan Chavarría Chang, Experte für Agrarökologie und Professor an der Fernuniversität UNED in Costa Rica. Um das erworbene Wissen mit andere zu teilen zurückzuspielen, werden die 25 Teilnehmer und Teilnehmerinnen gegen Ende des Projekts ein Austauschveranstaltung organisieren zu der Jugendliche aus Celina Ramos und den benachbarten Gemeinden eingeladen werden.

Die Qualität der agrarökologischen Produktion in den Hausgärten in Celina Ramos wird durch die Errichtung eines Gewächshauses verbessert. Darin werden Pflanzen-Setzlinge in einem geschützten Raum aufgezüchtet um sie anschließend in Gärten und Parzellen zu vermehren. Das Gewächshaus wird von den Jugendlichen unter Begleitung und Beratung von ADES errichtet und bewirtschaftet. Neben den Materialien stellt ADES technisches Know-how und Beratung zu agrarökologischen Praktiken in den Hausgärten und familiären Parzellen zur Verfügung um die agrarökologische Produktion der Jugendlichen und ihrer Familien nachhaltig auszuweiten.

Diese beiden Stränge werden durch Visibilität-Aktivitäten begleitet. Unter anderem werden Radiospots produziert um die Prozesse in den sozialen Netzwerken und auf den Websites von ADES und HORIZONT3000 zu dokumentieren.

 

Wie messen wir Fortschritt und Erfolg

Im Laufe der Projektumsetzung messen ADES und HORIZONT3000 periodisch und systematisch den Projektfortschritt. ADES ist für die Projektumsetzung vor Ort verantwortlich und hat somit auch die Aufgabe des laufenden Monitorings. Die lokale Programm-Referentin von HORIZONT3000 ist in regelmäßiger Abstimmung mit ADES und begleitet und berät Projektumsetzung -Monitoring. Am Ende der Laufzeit von 12 Monaten wird eine interne Reflexion zur Evaluierung des Projekts mit dem ADES Team und HORIZONT3000 erfolgen.

Den Erfolg dieses Projektes messen wir an der Anzahl der ausgebildeten und gestärkten Jugendlichen, die ihr Wissen in die Gemeinde weitertragen (Ziel 25 Jugendliche), an der Anzahl der neu angewendeten, agrarökologischen Praktiken in den Hausgärten (Ziel: 5 neue Praktiken) und an den neuen Gemüsesorten die in den Hausgärten produziert werden (Ziel: 8 neue Sorten).

[1] Cidse (2018): Die Prinzipien der Agrarökologie, https://www.cidse.org/wp-content/uploads/2018/04/GE_Die_Prinzipien_der_Agrarokologie_CIDSE_2018.pdf
[2] Website: http://www.adessantamarta.sv/en-us/
[3] Jessica Guzmán, elsalvador.com (2020): Jóvenes de Santa Marta aseguran la alimentación de su comunidad: https://historico.elsalvador.com/historico/710999/seguridad-alimentaria-proteccion-de-los-cultivos.html

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Ziele des Projekts
Dieses Projekt wird jungen Menschen zugutekommen, indem es ihre Kenntnisse in agrarökologischen Praktiken in der Landwirtschaft stärkt und Allianzen mit anderen Jugendnetzwerken schafft.

 

Durchführungsorganisation
HORIZONT3000, Wilhelminenstraße 91/IIf, 1160 Wien